Die Gymnastikübungen: Bausteine die aufeinander Aufbauen

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Die Gymnastikübungen: Bausteine die aufeinander Aufbauen

Beitrag  Atreyu_x3 am Di Feb 16, 2010 12:17 am

Die Gymnastik an sich ist die Vorbereitung auf die Lektionen. Ohne die einzelnen Stationen wird es in der Ausführung immer wieder Defizite geben, die dann die weiterführende Arbeit einfach erschweren oder sie sogar unmöglich machen.

1. Führen von rechts und von links aus den unterschiedlichsten Positionen

Ein wichtiger Faktor um sich entsprechenden Respekt zu erwandern. Das Pferd, als Lauftier, kann hierbei seinem normalen Trieb folgen und seine Füße bewegen. Wir lernen dabei in den unterschiedlichsten Postionen zu bleiben und auch dort voll akzeptiert zu werden.

2. Stillstehen will gelernt sein und mein Arbeitsbereich, dein Arbeitsbereich

Es ist wie bei Dirty Dancing: Mein Tanzebereich – Dein Tanzbereich, du hast nichts in meinem und ich nichts in Deinem zu suchen. Eine absolute Grundvoraussetzung. Es gebietet schon der eigene Sicherheit wegen, seinen Wohlfühl Raum vehement zu verteidigen, da man sehr wenig Einwirkung hat, wenn einem das Pferd auf die Pelle gerückt ist. Es ist auch eine Art des gegenseitigen Respektierens, das jeder den Raum des anderen wahrt.
Ohne das ein Pferd lernt am Platz und gerade auf der Line zu stehen, den Arbeitsbereich zu wahren und auch respektvoll den „Hut zieht“ oder auch „Nase weg“ keine Zirkuslektion. Wer beim Stillstehen und „Nase weg“ nicht korrekt arbeitet oder diesen Punkt einfach überspringt, hat später nicht nur in den weiterführenden Lektionen immer wieder Probleme.

3. Vorderbeine strecken und dehnen

Das Pferd lernt vertrauensvoll auf drei Beinen zu balancieren. Dabei wird nicht nur die Schultermuskulatur des gehobenen Vorderbeins gestreckt und gedehnt, sondern auch der Unterbauch erfährt seine Dehnung. Das andere Vorderbein lernt zu stützen. Eine unverzichtbare Vorübung für das Kompliment. Da hier das Pferd ebenfalls balancieren, strecken und stützen muss.

4. Gezieltes Füttern

Leckerlis gut und schön aber in Maßen! Füttern muss gelernt werden. Sonst gibt es evtl. doch abgebissene Finger, weil der Ausbilder die Hand wegzieht aus Angst gebissen zu werden. Zieht der Ausbilder, wenn auch unbewusst, die Hand weg, folgt das Pferd natürlich dem angebotenen Futter. Das Pferd erhält dieses aber nicht sofort, da er dies aber immer gleich bekommen hat, fängt es an fordernt hinterher zu schnappen. Wir wollen uns aber keine sogenannten „Schnappis“ bzw. Krokodile erziehen. Der Ausbilder lernt bei der Futterübung Vertrauen in sein Pferd zu haben, dass dieses ihn nicht beißt und erzieht es vorsichtig und zart mit der Hand die es füttert umzugehen.

5. Hals beugen / Hals biegen

Fördert die Dehnung des Nacken-Rücken-Bandes. Durch die langsame Aufwölbung des Rückens und der Aufspreizung der einzelnen Wirbelkörper der Wirbelsäule des Pferdes wird die Durchblutung der einzelnen Nervenbahnen stärker und besser gefördert. Diese Übung trainiert die Beweglichkeit und deckt relativ schnell Bewegungsdefizite auf, die mit gezieltem Training verbessert oder auch ganz beseitigt werden können.

6. Cavalettiarbeit

Das langsame Fuß für Fuß setzen über ein (halb hohes) Cavaletti ist eine wunderbare Übung für die Koordination der einzelnen Beine. Sie ist wie geschaffen für das Bewusstmachen der Hinterhand. Wird der Bewegungsfluß unterbrochen, d. h. wir warten ein wenig bevor wir die Hinterhand versuchen langsam über das Cavaletti zu holen, entstehen meist hohe weite Tritte in der Hinterhand, da das Pferd erst mit dieser das Hindernis ertasten muss. Diese Tritte sind eine schöne Dehnung für die Hinterhand. Aber auch das gezielte Setzen der einzelnen Beine über das Cavaletti stellt doch schon hohe Anforderungen an unsere Psyche unseres Pferdes und läd es zum mitdenken ein.

7. Stehblues
Bei dieser Übung lernt das Pferd seine Vor- und Hinterhand vertrauensvoll dem Ausbilder zu überlassen und sich weich zu machen. Es lernt dem Gefühl das der Ausbilder dabei vermittelt nachzugeben und willig zu folgen. Eine wichtige Übung nicht nur für das Kompliment, sondern auch für das spätere Ablegen.

8. korrektes Heben der Vorderbeine auf die Touchierhilfe
Wir lernen gezielt die Vorderbeine zu touchieren und unser Pferd das korrekte Anheben des Beines in die Waagerechte, ohne dass es dabei scharrt. Auch die Ausdauer des hochgehaltenen Beins wird hierbei trainiert.

9. Podestarbeit
Auf ein Podest steigen ist Muskelarbeit pur. Da dies meist aus dem Stand geschieht, erfordert es doch einiges an Kraftanstrengung dort hinauf zu kommen. Wenn man es genau betrachtet, ist es das Kompliment in die verkehrte Richtung. Vorne wird kräftig gestemmt und hinten gedehnt. Ein gymnastischer Spaßfaktor für alle Pferde.

10. Beine richtig aufstellen
Für den Anfänger ein echtes Muss. Nicht jedes Pferd ist so geschickt, dass es sofort anfängt die Hinterbeine zu bewegen wenn es beim Kompliment nach rückwärts abwärts geht. Daher erleichtert das geschickte auseinander stellen der Beine die ersten Komplimente ungemein und führt zu einem besseren Verständnis bei unserem Vierbeiner.

11. Rückwärtsrichten auf Körpersprache, Gerten- bzw. Stricksignal
Ohne feines und leichtes Rückwärtsrichten kein Kompliment. Vor allem dann nicht, wenn man das Pferd irgendwann einmal von der Beinlonge lösen möchte. Für das Kompliment muss das Pferd sich bei gestrecktem und gebeugtem Vorderbein den Weg nach unten ertasten. Dabei schiebt es sich rückwärts über die Hinterhand in die gewünschte Position.

12. Bekanntmachen und Desensibilisierung mit der Beinlonge
Eine gute Desensibilisierung mit der Beinlonge ist Vorrausetzung für alle weiterführende Arbeit mit dieser. Das Pferd lernt nicht in Panik zu geraten, wenn es nicht über seine volle Beinfreiheit verfügt. Es lernt diese am Körper zu akzeptieren und mit dieser zu laufen, also „gefesselt“ und es doch nicht zu sein, weil man ja trotz Beinlonge seine Füße in alle Richtungen bewegen kann.

13. erste Komplimente mit der Beinlonge
Die Beinlonge ist ein wichtiges Utensil zum Erlernen des Kompliments. Dabei dient sie nicht als Vergewaltigungsinstrument, sondern als Balancehilfsmittel. Der Einsatz muss erlernt werden und ist nicht so einfach wie manch einer denkt. Das Pferd lernt in kleinen Wiegeschritten, das es gestützt, gehalten und getragen wird bis die Zehe des angewinkelten Beins den Boden berührt. Bei der Beinlongenarbeit gilt es immer das Bein nach dem natürlichen Prinzip landen zu lassen: Erst die Zehe, dann der Huf, dann der Fesselkopf und dann das Röhrbein. Niemals darf das Bein so hochgezogen werden, dass das Pferd beim Landen auf dem Kapalgelenk landet. Dies ist äußerst unangenehm und schmerzhaft und kann unserem Partner die Arbeit am Kompliment vollendens verleiden.
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