Lipizzaner

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Lipizzaner

Beitrag  Atreyu_x3 am Fr Jan 08, 2010 1:12 pm

Der Lipizzaner, dieser Name taucht 1786 zum ersten Mal auf, ist die älteste Kulturpferderasse der Welt. Der Karster, wie er früher genannt wurde, ist eng mit dem Hause Habsburg verbunden. Den Namen bekam diese Rasse vom Gestüt Lipica, der ursprünglichen Zuchtstätte in der ehemaligen Habsburger Monarchie.


Exterieur

Die meisten Lipizzaner (etwa 95%) sind Schimmel, haben also als Fohlen eine dunkle Farbe und werden mit sechs bis zehn Jahren weiß. Es kommen aber auch vereinzelt andere Fellfarben vor. Heute gibt es neben Milch-Schimmeln nur noch gelegentlich Braune, Rappen, Füchse und Falben, ursprünglich gab es bei den Lipizzanern jedoch auch alle anderen Farben bis hin zu Isabellen, Mohrenköpfen, Platten- und Tigerschecken. Die Gemälde des Hoftiermalers Johann George von Hamilton zeugen von dieser Farbenvielfalt.

Der Typ des Lipizzaners hat sich gute 300 Jahre lang nicht wesentlich verändert. Er wirkt elegant, mittelgroß und kompakt; kurz gesagt athletisch. Härte und Ausdauer zeichnen ihn aus. Kopf, Hals (hoch aufgesetzt) und Schultern passen sehr gut aufeinander. Das Stockmaß liegt heute meist zwischen 155 und 165 cm. Der Lipizzaner trägt heute nur mehr vereinzelt einen markanten Ramskopf bzw. eine Ramsnase, was auf den alt-spanischen Einfluss zurückzuführen ist. Seine Hinterhand ist stark bemuskelt, die Fesselung schräg. Die Hufe sind bei gesunder Aufzucht überaus hart und sehr wohlgeformt. Mähne und Schweif sind ausgeprägt und feinhaarig, allerdings weniger üppig als bei Andalusiern. Der Rücken ist mittellang und kräftig. Die Bewegungen des Lipizzaners wirken graziös und sind durch einen federnden Gang ausgezeichnet. Er ist für einen guten Galopp geschaffen. Seine Knieaktion neigt dazu, hoch zu sein, was zu ausdrucksvollen Piaffen und Passagen führt.


Interieur

Der Lipizzaner präsentiert sich grundsätzlich munter und freudig. Sein Charakter ist freundlich und ausgeglichen; ruhig aber eifrig. Der Zucht liegt eine angenehme Rittigkeit zugrunde. Er lernt schnell und arbeitet mit Eifer. Trotz des gutmütigen Wesens hat er eine auffällige Ausstrahlung zu eigen und ebenso eine gehörige Portion Mut. All diese positiven Interieureigenschaften resultieren aus einer systematischen Jahrhunderte langen Selektion auf eben diese Leistungsmerkmale. Die Ausbildung an der Spanischen Hofreitschule war zugleich Leistungsprüfung. Nur Hengste, die sich durch ihre Leistungsbereitschaft und Intelligenz bewährten, wurden zur Zucht herangezogen.


Verwendung

Lipizzaner sind bekannt für ihren Einsatz in der klassischen Dressur an der Spanischen Hofreitschule. Besonders die Schulsprünge und Lektionen der Hohen Schule fallen dieser Pferderasse, auch durch Selektion auf eben diese Fähigkeiten, besonders leicht. Einsatzschwerpunkte sind Dressur und Fahren, wobei hier unterschiedliche Zuchtziele zugrunde liegen, die beide von der Internationalen Lipizzanerzuchtvereinigung anerkannt sind. Obwohl aufgrund Ihrer Größe und hohen Kadenz im heutigen Dressur-Turnierreiten benachteiligt, sind einzelne Lipizzaner immer wieder erfolgreich auf Turnieren vorgestellt worden.


Zuchtgeschichte

Seit langem ist der Lipizzaner mit der Spanischen Hofreitschule in Wien gemeinhin assoziiert, in der Lipizzaner gemäß der klassischen Reitkunst ausgebildet werden, die im 16. Jahrhundert entstanden ist. Früher wurden sie für den kaiserlichen Hof gezüchtet - für Karussells, als Reit- und Paradepferde und als Kutschpferde.

Der Name Lipizzaner (die Schreibweise mit einem p und zwei z entstammt einem Schreibfehler, ursprünglich schrieb man "Lippizaner") stammt von seinem Stammgestüt Lipica in Slowenien. Lipica liegt in der Nähe von Triest, der italienische Name der Ortschaft lautet Lipizza. Im Jahre 1580 wurde mit Pferden der iberischen Halbinsel das Gestüt Lipica und die Rasse der „Spanischen Karster“ begründet. Der Lipizzaner führt spanisches, neapolitanisches und arabisches Blut, aber kein so genanntes "bodenständiges Karster" Blut.

Der raue, karge, gebirgige Karst, in dem Lipica liegt, hat bei den Lipizzanern Langlebigkeit, Gesundheit, starke Knochen, harte Hufe, Zähigkeit und Widerstandsfähigkeit bewirkt. Im Bundesgestüt Piber werden die jungen Lipizzaner deshalb den ganzen Sommer auf Hochalmen mit rauer, karger und steiniger Umgebung gehalten.

Bei der im Jahre 1915 erfolgten kriegsbedingten Evakuierung aller Lipizzaner aus Lipizza, wurde die Herde aufgeteilt. Ein Teil (der Kleinere) ging nach Kladrub, der andere Teil verblieb in Österreich, wurde aber nach dem Ersten Weltkrieg wieder nach Lipizza (jetzt Italien und ein Gewinner des Krieges) gebracht. Italien beanspruchte auch die Pferde aus Kladrub, da aber die Tschechen auch auf Seiten der Kriegsgewinner waren, haben sie die Pferde aus Kladrub aber nie an Italien abgetreten. Später kam diese Lipizzaner Herde nach Topol'cianky (heute Slowakei). Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurden alle Gestüte im Einflussbereich der deutschen Wehrmacht nach Hostau evakuiert, auch Lipizza. Nach dem Krieg wurden die Pferde aus Lipizza zwischen Italien und Österreich aufgeteilt. Die Nachkommen der italienischen Pferde werden heute in Monterotondo weitergezüchtet.

Das Gestüt Piber versorgt die Spanische Hofreitschule in Wien mit den bekannten Schulhengsten. Auch in Lipica findet sich heute wieder eine bedeutende Zucht mit einer eigenen Reitschule.

Während der verschiedenen „Umzüge“, die die Lipizzanerzucht – meist im Rahmen von Kriegen – erfahren hat, blieben regelmäßig Tiere zurück, mit denen dann auch teilweise durch private Züchter weitergezüchtet wurde. Eine systematische, auch auf Reit- (und nicht nur Fahr-)zwecke gerichtete Zucht durch Privatzüchter ist allerdings erst deutlich nach dem zweiten Weltkrieg zu erkennen. Gründungen von Zuchtverbänden aus Privatzüchtern, wie von anderen Rassen längst bekannt, sind sogar noch jüngeren Datums. Dennoch gibt es mittlerweile in vielen Ländern Europas, in den USA, Südafrika und Australien Zuchtverbände, die sich zusammen mit den großen Staatsgestüten zu einem internationalen Lipizzanerverband (Lipizzan International Federation) zusammengeschlossen haben.
Lipizzanergestüte und Stätten im Gebiet des ehemaligen Österreich-Ungarn (Blau: Kladrub)

Daher werden Lipizzaner heute in ganz Europa gezüchtet, weiterhin vor allem aber in den staatlichen Bundesgestüten des ehemaligen Österreich-Ungarischen Reiches in:

* Piber (Österreich)
* Lipizza (Slowenien)
* Topoľčianky (Slowakei)
* Đakovo (Kroatien)
* Szilvásvárad (Ungarn)
* Monterotondo (Italien)
* Simbata de Jos (Rumänien, im Kreis Braşov)

Große Privatzüchter sind u.a.:

* Tempel Farms (Illinois, USA)
* South African Lipizzaner Center (Johannesburg, Süd Afrika)
* Haras des Launes (la Roque d'Anthéron, Frankreich)


Brandzeichen

Aufgrund der zahlreichen staatlichen Gestüte in verschiedenen Ländern und der Privatzuchtverbände gibt es für Lipizzaner keine einheitliche Brennung, wenn auch bestimmte Traditionen von zumindest den größeren Gestüten ähnlich gehandhabt werden. Im folgenden sollen die wichtigsten Brände beschrieben werden, soweit Informationen vorliegen.

* Piber: linke Kruppseite: "P" mit Krone darüber; linke Sattellage: Linienbuchstabe des Vaters, rechts Nummer, darunter Liniensymbol der Mutter; rechte Sattellage: Fohlenregisternummer; linke Ganasche: "L"

* Lipica, Monterotondo: li. Sattellage: Lebensnummer; li. Ganasche: "L"

* Topoľčianky: li. Kruppseite "STR" mit nach oben versetztem "T"; li. Sattellage: Linienbuchstabe des Vaters, rechts davon Nummer, darunter Liniensymbol der Mutter; re Sattellage: Fohlenregisternummer; bei Stuten: li. Kruppseite:

* Szilvásvárad:li. Sattellage: Linienbuchstabe des Vaters, Nummer (bei Hengsten), Liniensymbol der Mutter, darunter Fohlenregisternummer; re. Sattellage: "B" zwischen zwei Geweihschaufeln, rechts davon Geburtsjahr (zwei Ziffern)

* Simbata de Jos: li. Sattellage: Linienbuchstabe des Vaters, schräg rechts darunter Liniensymbol der Mutter, schräg rechts darüber Nummer (bei Hengsten); re. Sattellage: Fohlenregisternummer, "F" (für Fagaras)

* Dakovo: li. Kruppseite: "D" mit Querstrich durch die senkrechte Linie;

* Lipik: li. Kruppseite: "L" mit Querstrich, li Sattellage:

* LIpizzanerzuchtverband Deutschland: aktuell li. Kruppseite: barockes "L", Fohlennummer

* Zuchtverband Slowenien: li Schulter: Lindenblatt; li. Sattellage: Nummer

Die Linienbuchstaben der Vater sind je nach Gestüt unterschiedlich ausgeführte, verschnörkelte Formen der Anfangsbuchstaben der Hauptlinien, als "C": Conversano, "F": Favory, "J": Incitato, "M": Maestoso; "N": Neapolitano, "P": Pluto, "S": Siglavy, "T": Tulipan.

Die Linienzeichen der Abstammungslinien der Mütter, also der Linie deren Väter, sind demgegenüber graphische Symbole: Conversano: ein Kreis oder eine Ellipse mit einem Querstrich; Favory: ein Rechteck; Incitato: ein nach oben offener Kreis; Maestoso: eine Krone bzw. "M"; Neapolitano: verschiedene Diagonalkreuze (ein oder zwei Schwerter symbolisierend); Pluto: Wellenlinie; Siglavy: schräger Pfeil oder Dreieck; Tulipan: nach oben offener Kreis mit senkrechtem Strich darunter

Die Nummern können durchlaufende Fohlennummern sein, die in aufsteigender Folge vergeben werden, Hengstnummern, die die Nummerierung des Hengstes in seiner Linie zeigen ("der dritte Siglavy") oder Fohlenregisternummern, die jahresweise vergeben werden (?).

Der L-Brand ist ein Zeichen des Stammgestütes. Den Traditionsbrand erhalten nur in Piber, Monterotondo oder Lipica gezüchtete Lipizzaner. Dieses L scheint auf Kaiser Leopold I. zurückzugehen, wenn es natürlich auch gut zu "Lipica" passt.


Stammväter

Im 18. und 19. Jahrhundert sind sechs Hengste nach Lipica verbracht worden, die aufgrund ihrer Bedeutung für die Zucht der Lipizzaner benennungstechnisch zu Stammvätern gemacht worden sind. Seit damals wird unter Berücksichtigung der von diesen Hengsten abstammenden Linien gezüchtet, wobei die männlichen Nachkommen nach der Stammlinie ihres jeweiligen Vaters benannt werden. Die sechs Linien sind benannt nach diesen Hengsten (Datum der Geburt):

* Pluto (Frederiksborger war weiß, aber vermutlich kein Schimmel sondern ein weiß geborener Tigerschecke, rein spanisch gezogen, 1765)
* Conversano (neapolitanischer Rapphengst, rein spanisch gezogen, 1767; aus der Zucht des Haus Acquaviva[1], einem im 10. Jh. aus Bayern nach Italien umgezogenen Adelsgeschlecht)
* Maestoso (Kladrub, rein spanisch gezogen, 1773)
* Favory (Falbe, Kladrub, rein spanisch gezogen, 1779)
* Neapolitano (brauner Neapolitaner, rein spanisch gezogen, 1790)
* Siglavy (rein arabischer Schimmel, Syrien, 1810)

Von den ursprünglichen 23 Stutlinien befinden sich heute nur noch 14 in Piber selbst.

Weitere Hengste haben nur in bestimmten Gestüten zu weiteren Stammlinien geführt (Incitato, Tulipan).


Namensgebung bei Lipizzanern

Traditionell bekommen Lipizzanerhengste bei der Geburt zwei Namen. Der Erste ist die Stammlinie des Vaters, der Zweite ist der Name der Mutter.

Maestoso Austria = Vater: Maestoso Trompeta - Mutter: Austria

Bei den Stuten geht man mütterlicherseits zurück bis zur sechsten bis achten Generation und wählt aus diesen zwei Generationen einen Namen. Deshalb gibt es für jede Stutenfamilie typische Namen die immer wiederkehren.
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